Seligenstadt
Seligenstadt am Main, Mittelzentrum
in der Region Rhein-Main (Kreis Offenbach)
hat rund einundzwanzigtausend Einwohner, liegt verkehrsgünstig mit Anschluß an
die Autobahnen A3 und A45 an der Bahnstrecke Hanau-Eberbach Stuttgart
und unweit des Flughafens Frankfurt. Zu den zentralen Einrichtungen
gehören u.a. das Amtsgericht, der Sitz der
Sparkasse Langen-Seligenstadt
und die Polizeistation für den Ostkreis, das Landschaftsmuseum, die
Asklepios-Klinik (ehemalige Kreisklinik) sowie eine
chirurgische Privatklinik
(Emma-Klinik)
und das Regionalkantorat für die katholischen Dekanate Offenbach, Hanau
und Seligenstadt. Dienstleister aller
Sparten, Handel, Handwerk,Gastronomie und ein
breites sportliches Angebot sind in der Lage, hohe
Ansprüche zu befriedigen.
Die Lage am Fluß,
wertvolle historische Bausubstanz, ein gegliedertes
Schulwesen bis zur Reifeprüfung (Einhardgymnasium)
und eine waldreiche Umgebung stärken.
Daß eine schon 1744
gegründete Brauerei
und eine 2000 hinzugekommene
Hausbrauerei ansässig sind, ist nicht nur ein wirtschaftliches,
sondern auch ein geschichtlich-kulturelles Datum. Zahlreiche
mittelständische Unternehmen auch der neuen Technologien und ein
konzernangehöriges Unternehmen der Elektrobranche runden das Bild.
Stadtrechte sind verbürgt seit 1175. Das Selbstbewußtsein der Bürger
brach sich 1330 Bahn, als es gelang, dem Stadtregiment einen gewählten
Bürgermeister hinzuzufügen. 875 hielt Kaiser
Ludwig der
Deutsche in Seligenstadt den Fürstentag ab, 1188 Kaiser
Friedrich
Barbarossa einen glänzenden Hoftag. 1792 nahm Franz II, der letzte
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, vor seiner
Krönung in Frankfurt am Main in der Prälatur des Klosters Quartier.
Wolfgang
Amadeus Mozart soll mit dem gleichen Ziel die Stadt zumindest
durchfahren haben. 1803 gelangte die Stadt aus kurmainzischer unter
hessen-darmstädtische Herrschaft. 1965 besuchte Bundeskanzler
Prof.
Ludwig Erhard die Stadt und in den 80er Jahren Bundespräsident
Richard von Weizsäcker. Im Sommer 2005 fand in der ehemaligen
Benediktinerabtei eine gemeinsame Sitzung der Bayerischen
Staatsregierung unter Ministerpräsident Edmund Stoiber und der
Hessischen Staatsregierung unter Ministerpräsident Roland Koch statt.
Wissenschaft und
Kunst
Von
ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart ist der Begriff »Kulturstadt« -
ohne daß er offiziell gebraucht wird - für das Gemeinwesen
kennzeichnend. Die Stadt geht zurück auf
Einhard, den
großen mittelalterlichen Gelehrten, Vertrauten und Biographen
Karls des Großen, der u.a. die fränkische Siedlung Obermulinheim 815
von Karls Sohn
Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, hier ein
Kloster
nach der Regel des
Heiligen Benedikt begründete und die heute nach ihm benannte
Wallfahrtskirche mit den aus Rom auf umstrittene Weise erworbenen
Reliquien der frühchristlichen
Märtyrer
Marcellinus und Petrus (Stadt der Seligen!) auf und aus den Trümmern
eines Limes-Kastells
errichtete. Bis zu seiner Aufhebung in der Säkularisation von 1803 war
das Kloster ein weithin ausstrahlender Hort von Wissenschaft und Kunst.
Um 1433 wurde in der Stadt
Hans Memling geboren, der als Maler der niederländischen Schule in
Brügge zu Ruhm, Ehre und Bürgerrecht gelangte.
Neuere Forschungen geben
Anlaß, auch Matthias Grünewald als zeitweiligen Bürger der Stadt
anzusehen. Er besaß sehr wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 16.
Jahrhunderts eine Zweitwohnung in Seligenstadt, das zu jener Zeit einen
kulturellen Höhepunkt erlebte (Achim Zöller). Ein enger Freund Matthias
Grünewalds war der berühmte Orgelbauer Arnold Rucker. Auch die
Buchdruckerkunst hat einen Vertreter, dessen Name mit Seligenstadt
verbunden ist: Johannes Herbort ist hier geboren. 1872 erblickte der
spätere Ehrenbürger Franz Böres in Seligenstadt das Licht der Welt, der
in Stuttgart als Maler und Gestalter von Industrieprodukten des
Jugendstils Bedeutung erlangte.
Die Gegenwart
ist gekennzeichnet
besonders durch ein reiches bürgerschaftliches kulturelles Engagement.
Zu nennen sind allein ein Dutzend Gemeinschaften
(Vereine, Gruppen), die den Chorgesang pflegen, darunter seit über 150
Jahren der »Chor an der Basilika«.
Seit einem Vierteljahrhundert existiert ein Verein, der das
Landschaftsmuseum des Kreises, das im ehemaligen Benediktinerkloster
sein Domizil hat, fördert und unterstützt. Der »Förderkreis Historisches
Seligenstadt« hat sich der Pflege des Stadtbildes, insbesondere des
Schutzes der historischen Bausubstanzen angenommen. Die
Wiederherstellung der Klostermühle und die Sicherung der Reste des auf
Friedrich I Barbarossa und
Friedrich II
zurückgehenden staufischen Schlosses am Mainufer sind herausragende
Leistungen. Er unterstützt die Bemühungen der für die Klosteranlage
zuständigen Staatlichen hessischen Schlösserverwaltung. Die
Gartenanlagen der ehemaligen Abtei sind ein Besuchermagnet im ganzen
Land.
Das
Kunstforum Seligenstadt
e.V. widmet sich der Pflege der Gegenwartskunst mit Ausstellungen, -
besonders beachtet die jährliche Skulpturenausstellung im Garten der
ehemaligen Benediktinerabtei - Theateraufführungen, der Kleinkunst und
Jazzkonzerten. Der Kulturring Seligenstadt und Umgebung e.V. nimmt
Aufgaben der Erwachsenenbildung wahr und versteht die seit Jahrzehnten
veranstalteten
Seligenstädter Klosterkonzerte als einen Beitrag dazu. Auch
in der Fläche soll Musikinteressierten die Möglichkeit zum Genuß
qualitätvoller Musik zu erschwinglichen Bedingungen gegeben werden.