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Eine Stiftung zur Pflege des Erbes Einhards
Auf Anregung und unter der Führung der „Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel“ zu Seligenstadt beschloß 1998 eine Gruppe von Seligenstädter Bürgern, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Sie wurde am 13. März 1998 als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet und am 23. April 1998 vom Regierungspräsidium in Darmstadt genehmigt.Der Stiftungsauftrag wird in der Verfassung wie folgt gefaßt: Zweck der Stiftung ist es, die Idee der europäischen Einigung auf der Ebene einer traditionsreichen Stadt anschaulich und die Wurzeln der europäischen Nationen sichtbar zu machen. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch:
1. Der Einhardpreis Mit dem Einhardpreis wird eine herausragende Biographie einer Persönlichkeit ausgezeichnet, deren wissenschaftliches, religiöses, politisches, künstlerisches oder wirtschaftliches Lebenswerk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Dabei ist Europa keineswegs nur politisch zu verstehen, etwa im Sinne der Europäischen Union, sondern vor allem geschichtlich und ideengeschichtlich Während die in der Biographie vorgestellte Person in ihrem Wirken einen Europabezug aufweisen muß, kann der mit dem Preis ausgezeichnete Autor auch in einem außereuropäischen Land leben. Einhard war einer der Mittler und damit Wegbereiter der Wirkung Karls des Großen, die bis in unsere Zeit reicht. Es ist schwer, die Ausstrahlung des großen Karolingers besser zu beschreiben, als es der prominente und im Seligenstadt benachbarten Alzenau geborene Mediävist Arno Borst getan hat, einer der Gründungsprofessoren der Universität Konstanz. Karl habe „das Fundament jener Geschichte gelegt, um die sich die moderne Historie Europas bis heute bemüht: die Geschichte europäischer Gemeinsamkeit und nationaler Sonderung, staatlicher Ordnung und gesellschaftlicher Gliederung, christlicher Sittlichkeit und antiker Bildung, verpflichtender Überlieferung und lockender Freiheit“. 1.1. Einzelheiten des Preises Der Preis wird in mehrjährigen, tunlichst zweijährigen Abständen verliehen. Die Preissumme von jeweils Euro 10.000 wird gespeist aus den Erträgen des von den Stiftern aufgebrachten Kapitals, das in seinem Bestand nicht geschmälert werden darf. Diese Erträge werden ergänzt durch ad-hoc-Spenden, die von der Stiftungsidee nahestehenden Personen und Institutionen erbracht werden. Daraus läßt sich ersehen, daß die Stiftung ihrem Ursprung als reine Bürgerinitiative treu geblieben ist. Sie erhält – abgesehen von den mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit verbundenen Steuervorteilen – keine öffentlichen Mittel. Nicht ohne Stolz ist zu vermelden, daß sich bisher nach jeder Preisverleihung Zustifter gefunden haben, die den Kreis der Gründungsstifter nahezu verdoppelt haben und den Stiftungszweck sichern helfen. Für die Anerkennung des Preises spricht, daß sie zunehmend auch von weiter her kommen. Der Preis ist als Anerkennungs- und nicht als Förderpreis konzipiert. Die Auswahl der Preisträger und der zu würdigenden Biographie obliegt dem Kuratorium der Stiftung, im täglichen Sprachgebrauch als „Jury“ bezeichnet. Drei der Mitglieder des Kuratoriums sind sachkundige Persönlichkeiten von internationalem Rang, zwei weitere gehören ihm als Vertreter der Stiftung an. 1.2. Die Verleihung des Preises Der Preis wurde bisher fünfmal vergeben, erstmals 1999, danach 2001, 2003, 2005 und 2007. Die Verleihung findet in zeitlicher Nähe zu Einhards Todestag, dem 14. März statt. Die Feier beginnt mit einem „Memento Einhardi“ in seiner Grabeskirche, der Basilika St. Marcellinus und Petrus, dem folgt der Festakt in der Stadthalle, dem Saal des „Riesen“ in der Nähe des Marktplatzes, wohin sich die Festversammlung von der Kirche in einer lockeren Prozession begibt. Dieser Ablauf hat bei allen Teilnehmern bisher großen Anklang gefunden. Das Gedenken Einhards in der altehrwürdigen Basilika hat die Preisverleihung unverwechselbar gemacht. Der Begrüßung durch den Pfarrer der Gemeinde, Geistlichen Rat Dieter Ludwig folgte eine Lesung aus oder zu Schriften Einhards, danach ein Musikstück. Einmal ein von dem Würzburger Orgelvirtuosen Prof. Günther Kaunzinger komponiertes und vorgetragenes Werk, in der Folge der „Engelsturm“ für Orgel, Pauken, Trompeten und Glocken von Thomas Gabriel.
Der Magistrat der Stadt empfängt den Preisträger und seine persönlichen Gäste zur Eintragung in das Goldene Buch. 2007 hat Frau Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams dabei in einer wohlrecherchierten Ansprache im Romanischen Haus – errichtet von Kaiser Friedrich Barbarossa – der Preisträger Eberhard Weis namens der Bürgerschaft willkommen geheißen. 2. Die wissenschaftliche Pflege des Andenkens an Einhard und Erforschung Einhards und seiner Zeit 2.1. Echtheit der Gebeine von Einhard und Imma Bei der Öffnung des Sarkophages am 04. Oktober 2004 in Zusammenarbeit mit der Einhard-Arbeitsgemeinschaft und der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel wurden entsprechende Proben der Gebeine entnommen. Mit Hilfe der Radiocarbon-Methode wurde festgestellt, dass der Mann um 835 im Alter von etwa 70 Jahren gestorben war; er müßte also um 765 geboren worden sein. Der Mann war nur 1,62 Meter groß. Einhards Geburtsdatum ist unsicher, wird jedoch auf etwa 760 geschätzt; er starb am 14. März 840 in Seligenstadt. Zahlreiche Urkunden enthalten Hinweise, daß er klein von Wuchs gewesen sei. Es liegt damit eine gute Übereinstimmung vor. Das Todesjahr der Frau datierten die Wissenschaftler auf etwa 840. Imma, starb um 836. Auch hier liegt eine gute Übereinstimmung vor. 2.2. Seligenstädter Biographiegespräche Zur Pflege des Andenkens Einhards gehört auch die Förderung der biographischen Literatur. Hierzu wurde erstmals am 14. März 2008, zusammen mit dem Kulturring Seligenstadt, eine Autorenlesung durchgeführt. Uwe Wittstock, promovierter Literaturkritiker und Kulturkorrespondent der WELT, stellte seine Biographie „Marcel Reich Ranicki – Geschichte eines Lebens“ vor. Anschließend diskutierte der Verfasser in einem „Biographiegespräch“ mit Bernt Ture von zur Mühlen, Autor, Literaturwissenschaftler und Dozent an den Schulen des Deutschen Buchhandels, die Möglichkeiten und Grenzen einer Lebensbeschreibung. 2.3. Beiträge zum Einhard Symposium Das zweite internationale Symposium zu Leben und Werk Einhards wurde im September 2008 in Seligenstadt durchgeführt. Unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch wurde diese wissenschaftliche Tagung von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen und dem Magistrat der Stadt Seligenstadt, zusammen mit der Einhard-Arbeitsgemeinschaft, dem Förderkreis Historisches Seligenstadt und der Einhard-Stiftung veranstaltet. Dr. Herman Schefers von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, der ebenfalls Mitglied des Präsidiums der Einhard Stiftung ist, oblag die wissenschaftliche Leitung. Eine der Vorträge befasste sich mit der dem gerichtsmedizinischen Untersuchung, das die Echtheit der Gebeine von Einhard und Imma in Seligenstadt bestätigte, eine Arbeit die von der Stiftung mit unterstützt wurde. Weiterhin beteiligte sich die Stiftung mit einem Poster, um ihre Aktivitäten vorzustellen.
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